Mauer im Kopf?

Bauarbeiten im Strandbad FT März 2013 -3-Das „Strandbad“ der Stadt Frankenthal/Pfalz grenzt direkt an ein Grundstück mit einem großen Gebäude, in dessen Erdgeschoß sich ein Fitness-Studio befindet, das ich frequentiere. Das Studio hat über seine gesamte, recht ausgedehnte Breite eine riesengroße Fensterfront, die einen schönen Blick auf den See gewährt – jedenfalls bis zum März 2013.
Seitens der Frankenthaler Stadtwerke, die auch als Strandbad-Bewirtschafter verantwortlich zeichnen, war man nach soundsovielen Jahren auf den Einfall gekommen, auf dem bislang ungenutzten Terrain eine zusätzliche Liegewiese einzurichten. Bauarbeiten im Strandbad FT März 2013 -2-Dazu kam allerdings die seltsame, geradezu abwegige Idee, daß für diese künftige Liegewiese gegen das angrenzende Gebäude ein Sichtschutz zu bauen sei – und zwar in Form einer knapp 3 Meter hohen Mauer, bestehend aus einer abwechselnden Serie von Betonplatten und sog. Gabionen-Steinwänden – das sind Mauer-Gerüste aus verzinktem Stabgeflecht, die mit Steinen aufgefüllt werden. Daher gibt es auf den nebenstehenden ersten drei Bildern, die von Anfang März stammen, noch die Lücken zwischen den Platten (btw. – wie immer: Bilder anklicken für eine Vergrößerung/“Lightbox“-Darstellung).
Bauarbeiten im Strandbad FT März 2013 -1-Die Mauer wird also unmittelbar vor der Terrasse errichtet, die noch zum Gebäude gehört und etwa 3 Meter in der Tiefe mißt. So sieht das Ganze schon im halbfertigen Zustand (Bilder 1 – 3) nicht nur häßlich aus: es hat tatsächlich einen deutlich grotesken Stil. Beim Blick aus dem Fenster wirkt die Mauer ungefähr so, als stünde sie einem direkt vor der Nase.
Da das Gebäude mehrstöckig ist, sollen als Sichtschutz gegen die oberen Stockwerke späterhin hohe Bäume vor die Mauer gepflanzt werden. Daß dadurch allerdings noch weniger Licht in die Erdgeschoß-Fenster kommen wird – die Terrasse ist obendrein auf der ganzen Breite überdacht – mußte offenbar nicht berücksichtigt werden.
Daß es natürlich ein kostspieliges Projekt ist, braucht wohl kaum erwähnt zu werden – so scheint sich beiläufig zu offenbaren, wozu überhöhte Strom- und Gas-Preise gut sein können. Daß man neuerdings auch noch an Erhöhungen der Strandbad-Eintrittspreise denkt, paßt ins schwache Bild.
Mauer zwischen Strandbad und Sportstudio, Frankenthal April 2013 -1-Der überrumpelte Studio-Pächter hat Protest eingelegt und sagt zu Recht, daß der Seeblick bislang „sein großes Plus“ gewesen sei und „niemand Lust habe, im Keller zu trainieren“. Er wird aber sicherlich vor Gericht ziehen müssen, denn die Betreiber des Projektes fühlen sich im Recht, obwohl sich, wie ich gehört habe, u. a. herausgestellt hat, daß nach den anfangs erteilten Genehmigungen – somit auch nach der ursprünglichen Einverständniserklärung des Studio-Pächters – das Grundstück noch einmal neu vermessen wurde. Warum auch immer. Dann wurde behauptet, daß man daraufhin – siehe da – die Mauer tatsächlich noch um einige Meter näher an das Haus hätte setzen dürfen. Dies sogar ungeachtet dessen, daß das Gelände abschüssig ist, so daß die Mauer durch das Näherrücken auch noch bedeutend höher wurde. Der Pächter wurde darüber allerdings nicht unterrichtet, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt – plötzlich standen die Betonblöcke direkt vor seiner Terasse.
Mauer zwischen Strandbad und Sportstudio, Frankenthal April 2013 -2-Ich denke, hier im kleinen, provinziellen Frankenthal wird so etwas kaum anders vor sich gehen als bei anderen, bekannteren Bauprojekten in größeren Städten: irgendwelche (Bau-)Firmen werden gute Beziehungen haben, man setzt sich über jedweden Bürger-Protest hinweg*) und die (zumeist) scheußlichen Bauwerke werden hingeklotzt. Für meine Begriffe stinkt das Ganze jedenfalls auch nach Lobbyismus und Günstlingswirtschaft (allzu oft ist der Unterschied ja nur noch marginal).
Mauer zwischen Strandbad und Sportstudio, Frankenthal April 2013 -3-Zwar regt sich auch hier in Frankenthal ein gewisser Protest, die „Rheinpfalz“ hat recht kritisch geschrieben und der Planungs- und Umweltausschuss der Stadt muß sich mit dem Thema befassen, aber ich fürchte, der Studio-Pächter wird trotzdem auf der ganzen Linie verlieren.
Die Mauer steht, sieht ziemlich krank aus und man könnte es ja auch wissen: der Beton ist zuerst im Kopf. Gebaut ist dann schnell.

*) Es sei bei der Gelegenheit daran erinnert, daß in Stuttgart ein massives Aufgebot an Polizisten auf Schüler und Rentner einprügelte, während ein gewisser Herr Mappus, als seinerzeitiger Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg der Auftraggeber dieser Aktion, nichts Besseres zu tun hatte, als im Zelt direkt nebenan mit seinen Kumpanen Bier zu trinken.

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