Neckartalradweg

Bei der Planung habe ich mich hauptsächlich an →dieser Internet-Seite des ADFC orientiert (ADFC = Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V.).
Damit hat alles so weit recht gut geklappt.

Die Tour

Die Tour auf dem »Neckartalradweg« ist wunderschön und sehr empfehlenswert. Nicht umsonst scheint sie ja unter Radwanderern ein Klassiker zu sein.
Ich hatte in der letzten Juliwoche 2015 endlich Zeit dafür gefunden.
In meiner Intention ging es mir übrigens eher um die Tour – also um die Fahrt selbst – als um Möglichkeiten, auch interessante Besichtigungen zu machen, deren zahlreiche am Wege liegen (und in den diversen Beschreibungen im Internet erwähnt werden). Vielleicht das nächste Mal?
Mit dem Wetter hatte ich eigentlich Glück, obwohl es zunächst nicht so scheinen wollte, denn es war anfangs recht durchwachsen: eher bedeckt und mitunter auch ein wenig regnerisch. Aber es war vor allem nicht so furchtbar heiß – so wie es nämlich unmittelbar zuvor, also bis etwa zur dritten Juliwoche gewesen war. Unter solchen Umständen hätte die Tour ebenso wenig Freude gemacht wie bei Dauerregen.
Der Wind kam aus Südwest, war zunächst kräftig, mitunter auch böig. Späterhin wurde es dann ziemlich windstill, aber gegen Ende der Woche kam mit einigem Sonnenschein auch wieder ein mäßiger Wind auf. Ich hatte vom Beginn bis vor Heilbronn mit dem Südwestwind sogar extra gute Bedingungen, denn der gab mir immer wieder einigen Rückenwind, der sich späterhin durch meine Richtungsänderung im weiteren Verlauf der Route allerdings in einen – zum Glück dann eher mäßigen – Gegenwind gewandelt hat.

Mein Rad am Neckarufer irgendwo vor Heilbronn.

Alle Bilder in diesem Beitrag kann man durch Anklicken vergrößern.

Die Landschaft ist, wie gesagt, durchweg wunderschön – mit Ausnahme allerdings des Teils der Strecke von Cannstadt durch Stuttgart hindurch (in Richtung Ludwigsburg). Insgesamt hat die Strecke oft ein leichtes Gefälle – da ja bekanntlich auch der Neckar bergab fließt. Man kann übrigens zuweilen über die Geschwindigkeit staunen, die man erreicht, wenn man das Flußgefälle sozusagen auf dem Fahrrad nachvollzieht. Zum überwiegenden Teil folgt der Fahrradweg dem Flußlauf ziemlich direkt. Hier und dort gibt es kleine Hügelbewegungen, die allerdings selten mehr als niedrige und relativ kurze Anstiege haben. Es gibt auch ein paar steilere Anstiege, aber das sind im Nachhinein geschätzt insgesamt gerade mal vier oder fünf (leider weiß ich schon nicht mehr auswendig, wie viele es genau sind und wo sie genau liegen; notiert hatte ich mir das auch nicht). In der Nähe von Schleusen kann es, nachdem dieselben geöffnet werden, kleine vorübergehende Ausnahmen in der Fließrichtung des Neckars geben – deren eine mich auch ein Mal ziemlich verwirrt hat, da der Fluß dort tatsächlich andersherum zu fließen schien. Ich war gerade irgendwo im Stuttgarter Gebiet mal kurz von der Route abgekommen und habe wegen dieses physikalischen Phänomens eine Zeitlang tatsächlich geglaubt, in die umgekehrte Richtung zu fahren (das hat sich aber zum Glück bald geklärt).

3-Wasserscheide_2015-07-27-10.31

Zu Beginn der Route war ich zunächst vom (ersten) steilen, langen Anstieg zum Schwenninger Moos hinauf unangenehm überrascht, dann aber gleich anschließend wiederum angenehm von der darauffolgenden fast 25 km langen Abfahrt, die bis irgendwo vor Rottweil geht. Mit meinem großzügigen Rückenwind mußte ich bis dahin kaum einmal ernsthaft in die Pedale treten.
Eine weitere Streckenbeschreibung ist hier in meinem kleinen Bericht eigentlich überflüssig, da die Route anderswo bereits so ausführlich und vielfältig dokumentiert ist, daß ich mich mit einfachen Quellenangaben begnügen werde:

– Daran [→Link] habe ich meine Planung hauptsächlich ausgerichtet.

– Insbesondere mithilfe dieses Verzeichnisses [→Link] habe ich die Übernachtungen geplant (Geduld: das Ding hat im Browser eine extrem lange Ladezeit).

– Eine weitere aufschlußreiche Webseite [→Link] zum Thema.

– Und noch eine [→Link].

– Eine Webseite namens „Neckarkiesel“ [→Link], die eher ein reisejournalistischer Artikel ist und weniger speziellen Bezug auf die Radtour hat, aber sehr interessant ist.

Die Route – Beschaffenheit und Beschilderung

Die Wege sind gut ausgebaut und beschildert – jedenfalls allergrößtenteils, wenn auch eben nicht ganz ohne Ausnahmen.Irgendwo-auf-der-Strecke-vor-Rottweil_2015-07-27-11.17 So gibt es mitunter ein Stück unangenehm zu fahrende Wege mit grobem Kies oder auch reichlich löcherige, mit verwittertem Zement aufgeschüttete Waldwege wie zum Beispiel auf Teilen der Strecke zwischen Zwingenberg und Neckargemünd. Strecken auf frequentierten Autostraßen gibt es aber insgesamt so gut wie keine.

Die Beschilderungen sind mitunter geradezu üppig, andernorts aber wiederum recht dünn. Ich mußte ein wenig lernen, damit umzugehen bzw. sie zu interpretieren. So ist längst nicht an jedem Schild die blaue Marke mit der Aufschrift »Neckartalradweg« zu finden, sondern manchmal nur der übliche grüne Pfeil plus Fahrradsymbol auf weißem Grund – was aber nicht immer bedeutet, daß dies tatsächlich der Route des Neckartalradweges entspricht. Es kann an einigen (allerdings offenbar wenigen) Stellen auch ein lokaler Radweg sein, der ganz anderswohin führt. Man muß aufpassen, daß man im Zweifelsfall in der Nähe des Neckarufers bleibt. So ist es mir mehrmals passiert, eine Abzweigung zu verfehlen und ich mußte einige Umwege in Kauf nehmen.

In Rottweil habe ich die Route zum ersten Mal verloren. In der Annahme, zum Neckarufer hinunter zurückzukommen, bin ich ein steiles Stück bergab gefahren und so versehentlich stattdessen am Bahnhof gelandet. Daraufhin habe ich mir ausgedacht, über eine Nebenstrecke (an Göllsdorf vorbei) wieder Anschluß zu finden, aber da gab es plötzlich lauter recht steile Anhöhen und obendrein fing es wieder zu regnen an. Daraufhin bin ich kurz entschlossen wieder zum Rottweiler Bahnhof zurückgekehrt und das Stück bis Oberndorf (es sind etwa 15 km) mit dem Zug gefahren. Tatsächlich hatte der Regen inzwischen immerhin aufgehört.

Bei Mittelstadt ist mir die Route das nächste Mal verlorengegangen und leider gab es bei meinen Versuchen, sie wiederzufinden, auch einige wahrscheinlich unnötige Anhöhen zu überwinden. Mit meinem eigenen Gewicht von etwas über 100 kg und meinem Gepäck (ich habe das nicht gewogen, aber schätze es auf etwas über 10 kg) habe ich an Bergtouren nicht gerade viel Spaß.

Um Stuttgart herum habe ich den Anschluß nur mit der Hilfe eines freundlichen Zeitgenossen wiederfinden können, der mir mit seinem Fahrrad ein Stück vorausgefahren ist, um mir den nächsten Abzweig zu zeigen. Es gab noch ein paar weitere Stellen, an denen es mir etwas schwer fiel, die Route zu entziffern, aber das habe ich dann geschafft.

Übrigens war ich mit einem Mobiltelefon samt entsprechendem Lenkerhalter ausgerüstet. Sogar eine »Power Bank« hatte ich dabei – ein Akku mit einer Kapazität von 11.000 mAh, mit dem man so ein »Handy« mehrmals unterwegs aufladen kann. Leider war die Navigationssoftware auf dem smarten Phone – für das Fahrrad in einer Beta-Version vorhanden – nicht gut zu gebrauchen, da sie sogar kaum befahrene Feldwege und insgesamt recht unlogische Routen anzeigt. Auf den Neckartalradweg wollte sich das Programm leider nur stückchenweise einklinken, um dann wieder irgendwelchen Hühnerpfaden zu folgen. Bei ein paar kleineren Gelegenheiten war das Gerät jedoch trotzdem nützlich.

Die Anfahrt

Am ersten Tag gab es eigentlich noch gar keine Radtour, sondern eine Zugfahrt vom Heimatort Frankenthal/Pfalz nach Villingen – mitsamt dem Rad, natürlich. Dort ist der Beginn des »Neckartalradweges« – da der Neckar dort entspringt.

So wird es jedenfalls behauptet, aber – wie mir der aus Villingen stammende Pianist Reiner Ziegler erklärt hat – ist es eigentlich vielmehr so, daß die ersten kleinen Zuflüsse, die den Neckar ausmachen, dort in der Region zusammenfließen. Dennoch gibt es eine im Jahr 1581 von Herzog Ludwig in Stein gefaßte, ganz offizielle »Neckarquelle«, die sich offenbar bis heute reger Beachtung in Form von Besichtigungsausflügen erfreut. Davon konnte ich mich überzeugen, denn der Radweg führt unmittelbar vorbei: viele Leute, darunter sogar eine ganze Schulklasse. Am Quellenstein informiert ein Schild: «Kein Trinkwasser!« – was zu denken geben kann, denn Quellwasser ist normalerweise sehr wohl trinkbar. Das Schild scheint unfreiwilligerweise erst recht darauf hinzudeuten, daß diese künstlich errichtete »offizielle« Neckarquelle eher aus irgendeinem städtischen Springbrunnenreservoir oder sonstwoher gespeist wird anstatt aus einer Flußquelle. Diese Webseite (→Link) erklärt es – und zeigt nebenbei, daß der Reiner Ziegler ganz recht hat.

Zunächst stellte es sich als einigermaßen schwierig dar, überhaupt erst einmal eine Zugfahrkarte dorthin zu bekommen. Ich wollte die Karte »online« und selbstverständlich einschließlich der sogenannten Fahrradmitnahme buchen. Merkwürdigerweise kommt es bei der Online-Buchung offenbar vor, daß eine Zugverbindung auf einmal nicht mehr zur Verfügung steht, wenn man sie zu einem zweiten Mal aufrufen will – nachdem man etwa einen Buchungsschritt zurückgegangen war, um zum Beispiel etwas zu korrigieren oder Ähnliches. Jedenfalls konnte dann plötzlich keine Fahrradmitnahme mehr dazugebucht werden. Auch bei der nächsten wie bei der vorhergehenden Verbindung war auf einmal alles ausgebucht. Dann gab es plötzlich an dem gesamten Tag keine buchbare Verbindung mehr. Am Schluß stellte sich heraus, daß eine Karte mitsamt »Fahrradmitnahme« nur noch bei einer einzigen Zugverbindung zur Verfügung stehen würde – und da auch nur in der ersten Klasse. Wer hätte das gedacht?

Da ich unerfahrener Fahrradreisender befürchtete, ohne eine gebuchte »Fahrradmitnahme« in Schwierigkeiten zu geraten, habe mich dazu breitschlagen lassen, diese Erster-Klasse-Karte also zu kaufen, zumal der Gesamtpreis für dieses nunmehr endgültig zu Unrecht so genannte »Sparpreis-Angebot« mit etwa € 50.- letztendlich dennoch nicht allzu viel teurer war. Ach, egal, ich erinnere mich schon gar nicht mehr. Es war übrigens eine obligatorische Sitzplatzreservierung dabei – von der ich allerdings zunächst nicht erfuhr, daß sich dieser Sitzplatz in einem ganz anderen Wagen befinden sollte als der reservierte Platz für das Fahrrad. Wie dies insgesamt und insbesondere bei einer Reise mit dreimaligem Umsteigen bewerkstelligt werden sollte, müßte man mir gelegentlich einmal erklären.

Auf dem Bahnhof in Mannheim angekommen stellte sich heraus, daß der erste Anschlußzug nach Heidelberg 10 Minuten Verspätung hatte. Es gab jedoch laut Fahrplan in Heidelberg nur 10 Minuten Zeit, eben dort den nächsten Anschluß nach Villingen zu erreichen. Damit war meine großartige Verbindung bereits hinfällig – also richtig konkret im Eimer. Als der Zug nach Heidelberg endlich da war, stellte sich heraus, daß er dermaßen mit Reisenden und noch mehr mit Fahrrädern überfüllt war, daß an eine Fahrradmitnahme garnicht erst zu denken war – Reservierung hin oder her. Überbuchung? Innen in den überfüllten Wagen mühten Schaffner sich ab, Fahrräder dichter zusammenzupferchen, um noch ein paar Plätze für das andrängende Rudel der »Fahrradmitnehmer« herauszuholen. Es gab ein heilloses Durcheinander. Die Leute wurden ziemlich schnell immer agressiver; sogar Handgreiflichkeiten lagen in der Luft. Der Zug „gewann“ dadurch mindestens 10 weitere Minuten an Verspätung und ich hatte es längst aufgegeben, hier etwa noch mitzufahren. Stattdessen blieb mir nur, mich an eins der ebenso gestreßten wie herablassenden »Rotkäppchen« in der Dienst-Bude auf dem Bahnsteig zu wenden. Deren Häuptling hat mir dann auf seinem Schneckentempo-PC höchstpersönlich eine Ersatzverbindung ausgekundschaftet, wobei ihm sein formidabler Haufen Elektronikschrott dabei tatsächlich zweimal nacheinander abgestürzt ist. Ich habe das natürlich mitbekommen und mußte mir ordentlich das Lachen verbeißen. Die neue Verbindung bestand in einem Bummelzug nach Karlsruhe und nach einem Umstieg in einem weiteren Bummelzug nach Villingen.Im Bummelzug nach Villingen. Dort traf ich dann abends um zehn nach sechs ein – nachdem ich mittags um halb zwei in Frankenthal losgefahren war (zum Vergleich: mit einem Auto wäre ich derselben Zeit hin und zurückgefahren).
Die Deutsche Bundesbahn ist ein Saftladen und gehört wieder verstaatlicht!
Den Anfang der Tour hatte ich mir freundlicher vorgestellt.

Übernachtungen

Ich habe im Laufe der Planung für die Tour zwei Übernachtungen in Pensionen und drei in Jugendherbergen gebucht. Um in den Genuß der Gastlichkeit der Letztgenannten zu gelangen, mußte ich zunächst Mitglied im Deutschen Jugendherbergswerk werden. Das kostet für ein laufendes Jahr € 11.- und zukünftig jährlich € 22.-

Die einzelnen Jugendherbergen haben durchaus unterschiedliche Preise, und da ich aus dem Alter für Gemeinschaftsunterkünfte heraus bin, muß ich jedes Mal einen Einzelzimmeraufschlag hinzurechnen. Dieser bewegt sich irgendwo zwischen € 5,50 (Villingen) und € 11.- (Tübingen). Übrigens sind selbst die Preisaufschläge für Handtücher in den einzelnen Jugendherbergen unterschiedlich – so wird zum Beispiel in Ludwigsburg € 1.- berechnet, in Tübingen dagegen € 1,50. Ob ich etwa einen Qualitätsunterschied bei den Handtüchern feststellen konnte? Daß ich nicht lache.

Die Jugendherberge Villingen-Schwenningen liegt am äußeren Villinger Stadtrand. Unmittelbar nach meiner Ankunft fing es recht heftig an zu regnen, so daß ich daran gehindert war, noch einmal mit dem Fahrrad in die Stadt zu fahren, um mir ein Restaurant zu suchen. In der näheren Umgebung der Jugendherberge gibt es leider nichts dergleichen. Eine Art Verpflegung konnte ich gerade noch so eben bei einer Tankstelle um die Ecke bekommen – dementsprechend ungesund fiel die auch aus. Wenn ich allein an diese Chipstüte denke …
Die Übernachtung in der Villinger Jugendherberge kostet € 34,50 – incl. Einzelzimmeraufschlag von € 5,50 und Handtuch à € 1,50. Dafür bekommt man ein sauberes Zimmer von allerdings kaum zu überbietender Schlichtheit. Toilette und Bad sind auf dem Gang. Zimmer in der Jugendherberge Villingen-Schwenningen.Das Frühstück ist im Prinzip ordentlich, jedoch ebenfalls ziemlich schlicht. Mehr muß ich zwar bei einer Radtour insgesamt auch nicht haben, aber meine Erfahrung hat ergeben, daß eine Übernachtung in einer preiswerten Pension günstiger und auch noch komfortabler sein kann. Das teuerste Jugendherbergszimmer in Tübingen hatte zwar ein eigenes Bad, aber man verlangte dort auch € 41,40 für die Übernachtung (mit einem allerdings einigermaßen anständigen Frühstück). Ludwigsburg lag mit € 37.- quasi im relativen Mittelfeld.

Der »Komfort« fängt schon damit an, daß man in der Jugendherberge sein Bett selbst beziehen (und anderntags wieder abziehen) muß. Ich habe es darin in meinem bisherigen Leben bereits zu einiger Virtuosität gebracht, aber das bedeutet noch längst nicht, daß ich diese Tätigkeit auch schätze. Wichtiger noch: in anscheinend allen Jugendherbergen haben sämtliche Korridore offenbar obligatorisch am Ende oder gar an beiden Enden Abschlußtüren – die von hydraulischen Türschließern laut ins Schloß geknallt werden. Hinzu kommen mit einiger Regelmäßigkeit die zu praktisch allen Tages- und Nachtzeiten ebenfalls laut ins Schloß gezogenen Zimmertüren diverser gedankenloser Nachbarn. Allzu gut geschlafen habe ich daher nicht. Außer in der Jugendherberge Tübingen – aber darauf komme ich später noch einmal zu sprechen.

2. Station war der Gasthof »Adler« in Dettingen vor Horb/Neckar. Hier gibt es Zimmer ab € 25.- und ich war angenehm überrascht, zu diesem Preis ein sauberes Zimmer sogar mit Bad (Dusche) vorzufinden. Allerdings lag das Zimmer zu einer ab ungefähr sechs Uhr frühmorgens erstaunlich belebten Dorfstraße hinaus – und hatte offensichtlich (eigentlich vielmehr „hörbar“) Fenster aus der 1960er Jahren. Tatsächlich hatten sie diese typischen 1960er-Standard-Kippfensterhebel an der rechten unteren Rahmenecke, die ich noch aus der ersten Zeit im Haus meiner Eltern kenne, als die das gerade gebaut hatten (1966). Die Krönung der Geräusche steuert freilich die vis-à-vis gelegene Kirche bei, die auch die Nacht hindurch treu und brav die Uhrzeit schlägt – und zwar mit Glocken, die sich auch hinter denen im Frankfurter Dom nicht verstecken müßten (bzw. dies womöglich noch nicht einmal könnten). Da gongt es wirklich ordentlich. Vielleicht, daß selbst im Himmel droben die verdiente Nachtruhe gestört wird? Schon möglich, aber es ist ja ein Dilemma, denn hienieden kann man´s ja noch nicht wissen. Und wenn man´s dann wüßte, wäre man – hoffentlich – droben und kann wiederum schwerlich etwas dran ändern. Drum, so nehme ich an, ist es so und bleibt´s wohl auch so.
Die Übernachtung hatte ich am Telephon gebucht (ohne Frühstück – man kann ggf. in der Bäckerei gegenüber frühstücken). Ich muß leider sagen, daß ich zukünftig und überhaupt in solchen Fällen auf einer Buchungsbestätigung bestehen werde – per Mail oder Fax, egal. Am nächsten Morgen fand ich nämlich eine Bedienstete vor, die mir € 45.- für das Zimmer abknöpfen wollte. Erst nach einiger Diskussion kam ich mit dem ursprünglich ausgemachten Zimmerpreis davon (also € 25.-).
Dasselbe ist mir ganz anderswo vorher auch schon einmal passiert – offenbar versuchen die es halt mal, die Gauner.

3. Station war die Jugendherberge zu Tübingen. Die Korridortüren waren dort noch viel lauter als die in Villingen. Eine davon lag direkt vor meiner Zimmertür, denn ich hatte das erste Zimmer im Gang. Die Tür war aber sogar derart gewalttätig laut, daß mir auch ein weiter hinten im Gang gelegenes Zimmer nichts genützt hätte. Zumal dort bereits die andere, nächste Korridortüre lauerte. Bei solchen Explosionen schlafen zu können, erfordert, glaube ich, ein ziemlich hohes Maß an Schwerhörigkeit oder sonst irgendeiner fortgeschrittenen Abgestumpftheit. Es ist mir wirklich rätselhaft, wie das allgemeine Publikum so etwas über Jahre klaglos hinnehmen konnte. Bis dahin ging es ja offenbar. Aber damit war jetzt Schluß, denn zufällig traf ich gleich zu Beginn auch den Hausmeister der Jugendherberge, der sich gegenüber meinem Vorschlag, die Türschließerstellschrauben zu justieren, durchaus zugänglich zeigte. Auch ließ er sich gleich bei der Gelegenheit von mir zeigen, wie man das macht. Es ist übrigens sehr einfach (und trotzdem scheint es niemand zu wissen): die Frontverblendung entfernen und nach Gusto die darunterliegenden 3 Stellschrauben für Schließkraft, Schließgeschwindigkeit und Öffnungsdämpfung einstellen (die sind in der Regel sogar entsprechend beschriftet). Die erste Korridortür gleich neben meiner Zimmertüre benahm sich danach auf Anhieb geradezu perfekt und siehe da, schon am selben Abend hörte man im ganzen Haus keine einzige Korridortür mehr »batschen«.
Es blieben natürlich trotzdem noch ein paar zugeknallte Zimmertüren. Besonders pubertierende Jugendliche sind darin ganz groß. So oder so – irgendeinen grundlegenden Prozentsatz an selbstvergessenen Holzköpfen muß es wohl überall geben.

Ich hatte die Etappe recht kurz eingerichtet – von Horb nach Tübingen sind es gut 50 km Fahrradstrecke – und hatte daher abends schön viel freie Zeit. Das ist eine gute Idee gewesen, denn in der Stadt ist es sehr schön und recht lebendig.7-Salonorchesterchen-Tuebingen_-2015-07-28-16 Kaum dort angekommen, habe ich vor der Stiftskirche ein ganz vorzügliches Ensemble aus Geige, Cello, Klavier (Keyboard) und Akkordeon mit Tangos und Salonorchestermusik gehört.

Das Wetter hatte aufgeklart. Mit der Sonne kam allerdings auch mehr Wind auf – der bald zu Gegenwind werden sollte. Es hat zwar später noch geregnet, aber freundlicherweise erst nachts.

4. Station war die Jugendherberge Ludwigsburg. Die Etappe war für meine Verhältnisse mit gut 110 km Fahrradstrecke reichlich lang. Um so unangenehmer war ich über den krönenden Abschluß überrascht, daß nämlich die Jugendherberge ziemlich weit oben auf einer Anhöhe über der Stadt liegt. Mit steiler Serpentinenauffahrt (s. Bild).20-1-Auffahrt-zur-JH-Ludwigsburg2015-07-29-20.54 Das Detail war mir bei der Buchung komplett entgangen. Vom Zimmer aus hat man dennoch keinen freien Blick, weil das Terrain direkt vor den Fenstern bewaldet ist.
Immerhin führt ein noch steilerer, aber dafür kürzerer Gehweg, für den man abwärts vielleicht knapp 10 Minuten braucht, direkt zu einer passablen Gastwirtschaft. Hier pflegt man eine recht anständige Küche und ebensolche Getränke – was anschließend natürlich und zu allem Muskelkater einen geringfügig langwierigeren Rückweg bedingt(-e). Das Milieu in der »Beiz« – eigentlich ein schönes, wenn auch etwas heruntergekommenes historisches Haus – ist relativ „studentisch“, was in diesem Fall u. a. bedingt, daß man eine Berieselung aus mitunter reichlich öder „Szene-Musik“ über sich ergehen lassen muß. Halt so eine Mixtur aus affektiertem, pseudo-modernen Scheiß, den vermutlich niemand jemals einmal kritisch zu hören scheint. Wenigstens hatte das Zeug eine gerade noch erträgliche Lautstärke …
An den obligatorischen Korridortüren waren die Schließautomatikapparate auch hier wieder geradezu brachial eingestellt, aber ich war viel zu müde, um schon wieder eine Initiative zu ergreifen. Erschwerend kam allerdings hinzu, daß Haus gerade voller Herbergsgäste war – und zwar mit überwiegendem Anteil an pubertierenden Jugendlichen, von denen sich ausnahmslos alle in weltverlorener Entrücktheit ein Smartphone vor die Nase hielten, egal wo sie saßen, gingen oder standen. Ein skurriler Anblick, wahrhaftig. Wie auch immer: das allgemeine Türenknallen abends und morgens wollte kein Ende nehmen.

5. Station war die »Casa Floris« in Bad Wimpfen. Das aparte Dachgiebelzimmer mit Schräge bis zum Boden zu € 26.- Das war telephonisch ausgemacht und dieses Mal hat alles geklappt.29-casa-floris-innen_2015-07-30-16.56 Das historische Haus liegt mitten in der Altstadt, das Dachzimmer ist allerdings nur über eine Art Leiter-Treppe durch eine Luke zu erreichen. Die Wirtin ist eine interessante Persönlichkeit in Gestalt einer freundlichen Dame mit dem bunten Namen Wilhelmine Floris.
Ich hatte mir schon lange vorgenommen, diese pittoreske, historische Stadt einmal zu besichtigen. Übersehen hatte ich bei dieser Gelegenheit aber, daß die Altstadt samt meiner Pension oben auf einem einigermaßen hohen Berg liegt, zu dem es vom Neckarufer aus nur sehr steile Anstiege gibt. Die Strecke von Ludwigsburg nach Wimpfen war nun auch nicht ganz aus Pappe gewesen und so war das hier zunächst kein guter Abschluß. Insgesamt jedoch haben mich die schöne Stadt an sich, die recht anständige (wenn auch etwas konventionelle) Gastronomie und das ruhiggelegene Zimmer entschädigt. Anderntags bin ich denselben Aufstieg (über den Bahnhof) wieder hinabgestiegen. Dabei habe ich mein Fahrrad – das ja allein schon mit dem Gepäck einiges Gewicht hat – wiederum geschoben, besser gesagt, retour natürlich mit angezogenen Bremsen rollen lassen. Die Steigung ist nämlich so stark, daß man abwärts auf dem Rad einen Purzelbaum befürchten müßte. Ich jedenfalls.

Zum Schluß

Der weitere Verlauf der Tour war von schönem Wetter begleitet. Der Wind war mäßig, die Temperaturen ebenfalls. So weit, so gut. Alle anderen Details zur Strecke sind, wie gesagt, bereits anderswo ausreichend dokumentiert. Erwähnenswert ist höchstens noch der recht gute Eindruck, den ich anläßlich einer mittäglichen Einkehr vom Gasthof »Adler« in Eberbach hatte: nette Terasse und Mittagstisch in anständiger Qualität zu € 6,60 – da kannst Du nicht meckern.
Es war mir übrigens entlang der Tour sowieso schon aufgefallen, daß „Adler“ wohl überhaupt der häufigste Name aller Gastwirtschaften zu sein scheint. Wie es aussieht, hat so ziemlich jedes Dorf einen »Adler«.

Zwei Ergebnisse für zukünftige Touren:
– ich werde aus dem Jugendherbergsverband wieder austreten und mir zukünftig Zimmer in möglichst günstigen Pensionen suchen (wie gesagt: nicht ohne Buchungsbestätigungen). Anmerkung: aus dem Jugendherbergsverband bin ich in der Tat nach dieser Tour unverzüglich wieder ausgetreten.
– aus Unerfahrenheit hatte ich ein paar Dinge im Gepäck, die ich nächstens daheim lassen werde. Am meisten Überlegung kosten mich dabei die Straßenschuhe: man kann sicherlich schon auch mit denselben Sportschuhen, die man tagsüber auf dem Fahrrad anhat, abends ausgehen. Aber letztlich ist es dann doch eine Frage des Stils, nicht wahr?

Letzte Etappe: ich bin »nur« noch bis Neckargemünd gefahren, statt konsequent bis zur Neckarmündung in Mannheim. Das mache ich vielleicht beim nächsten Mal.

Insgesamt habe ich dennoch knapp 370 km zurückgelegt. Das entspricht zwar den in Internet-Artikeln angeführten Angaben über die Gesamtstrecke bis Mannheim, liegt aber in meinem Fall, da ich ja nur bis Neckargemünd gefahren bin, sicherlich an den besagten Umwegen während der Tour.
Meine Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 16,5 Km/Std.

Nach dieser ersten Erfahrung bin ich sowieso davon überzeugt, daß ich die Tour gern noch ein weiteres Mal machen möchte. Hoffentlich finde ich bald einmal die Zeit und die Gelegenheit dazu.

Hier noch ein paar Bilder (anklicken zum Vergrößern):

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