Betr.: Denkwürdige Feedback-Mail eines Veranstalters über das Gastspiel einer Band, bei welchem bzw. in welcher ich mitgewirkt habe.
„… wir waren alle mit der Band vollauf zufrieden, es hat alles sehr gut geklappt. Sängerin und Musiker waren sehr gut.
Jetzt müssen wir erst einmal schauen wie es fürs nächste Jahr weitergeht. Bei den total gestiegenen Kosten müssen wir überlegen wie wir das in Zukunft stemmen können.
Die GEMA spinnt ja wohl, wir zahlen für diese Veranstaltung €2.200,– und die Saalmiete hat sich ebenfalls verdoppelt.
Wenn wir unser Konzept haben melden wir uns bei Ihnen.
Vielen Dank und Gute Zeit wünscht …“
Selbstverständlich bleibt zumindest in Musikerkreisen die Pointe nicht verborgen, mit der zwischen „Sängerin“ und „Musiker“ durch die Aufzählung unfreiwillig diffenziert wird.
Denkwürdig ist jedoch vor allem die Information zu der Abgabe, die ein Veranstalter in der Stadthalle X für einen Abend an die GEMA zahlen muß – das ist ein Wucher-Tarif, mit dem zumindest die „kleinere“ Kulturszene systematisch zerstört wird!
Dieser elitäre Verein ist – wie die meisten Musiker wissen – seit jeher vornehmlich dazu da, Gelder von „unten“ nach „oben“ zu verteilen: der Löwenanteil des Erlöses aus den Tantiemenrechnungen wird an die sogenannten ordentlichen Mitglieder ausgeschüttet, deren Gruppe aus nicht mehr als ca. 5% der Mitglieder besteht; zudem werden an diesen Personenkreis Renten gezahlt usw. Ein ordentliches Mitglied kann nur werden, wer sehr hohe Umsätze hat – es werden also de facto wieder einmal die Reichsten begünstigt, die es am wenigsten nötig haben.
Schließlich und obendrein ist bei diesen „Mond-Preisen“ ja noch extra-blöd, daß die GEMA-Fritzen sich höchstpersönlich selbst den Ast absägen, auf dem sie sitzen – indem sie Veranstalter dermaßen offensiv auspressen, daß die reihenweise aufgeben oder in ihrer Verzweiflung an dem sparen, was sie eigentlich veranstalten wollen: an der Musik, also an den Live-Bands. Das begünstigt zum Beispiel subventionierte Acts wie skandinavische Jazzgruppen, die staatliche Unterstützungen für ihre Auslandstourneen erhalten, sodaß Veranstalter in anderen (europäischen) Ländern diese Bands praktisch kostenlos bekommen – eine offizielle, nationale Dumping-Preispolitik der ganz üblen Art (über die kaum jemand redet – so viel ich weiß). Oder es begünstigt DJs – als preiswerte Alternative zu Live-Bands mithin die natürlichen Feinde der Live-Bands. In jedem Fall unterdrückt und sabotiert es die meist ehrenamtlichen Tätigkeiten von Veranstaltern in der Kulturszene betr. Live-Musik.
Undsoweiter.
Sehr ungut ist das.
P. S. Im vorliegenden Fall handelte es sich um eine Veranstaltung eines Tanzsport-Vereins, der uns – die Quintett-Band „LIMELIGHTS“ – engagiert hat.
