Amazon

Ich habe eben gerade mein Kunden-Konto bei der Firma Amazon gekündigt, nachdem ich diesen ARD-Bericht gesehen habe: http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/hr/13022013-ausgeliefert-leiharbeiter-bei-amazon-100.html

Ich finde: Amazons schockierende Praktiken im Umgang mit Personal darf man nicht hinnehmen!

Zur Kündigung habe ich dieses Schreiben abgeschickt:

Sehr geehrte Damen und Herren,
dieser Dokumentarbericht in der ARD (Anm.: im Original war der o. a. Link enthalten) ist sicherlich auch Ihnen nicht unbekannt. Der Bericht über die entsetzlichen Methoden im Umgang mit Mitarbeitern etc., die Sie zu verantworten haben, hat mich zu der Entscheidung geführt, mein Konto bei Ihnen zu kündigen.
Ich würde diese Entscheidung erst dann möglicherweise wieder revidieren, wenn ich (ebenso) zuverlässige Informationen darüber erhalten sollte, daß diese schockierenden, sittenwidrigen
Mißstände und amoralischen Praktiken gründlich ausgemerzt wären und damit die Problematik nach allen hierzulande geltenden Gesetzen und Leitlinien demokratischer Ethik aus der Welt geschaffen wäre.
Ich hoffe sehr, daß Sie genau dies so schnell wie möglich durchführen werden.
Hochachtungsvoll – …“

Wer das Schreiben für eine Kündigung des eigenen Kontos bei Amazon verwenden möchte – bitte sehr: copy & paste!

In Unterhaltungen wurde von einigen Mitmenschen eingewendet, daß ja kaum noch örtliche Einzelhändler vorhanden seien.
Dazu aus meinen Beobachtungen zwei Gesichtspunkte: wenn man praktisch nur bei „Discountern“ einkauft, nimmt man wahrscheinlich die „Locals“ höchstens noch beiläufig bzw. erst dann wahr, wenn sie gerade pleitegegangen sind (so à la „hier war doch mal´n Schreibwarengeschäft, nicht wahr?“). Es gibt aber noch einige lokale Einzelhändler! Das wird man jedoch kaum bemerken, wenn man nie hingeht. Dann aber, zweitens, könnte man mitunter wohl feststellen, daß die garnicht unbedingt immer teurer sind (oder manchmal vielleicht auch nur „unwesentlich“ teurer). Mir kommt es allmählich  so vor, als würden „die Großen“ den unverbrüchlichen Glauben des Konsumenten, daß der Großhandel per se die günstigsten Preise habe (weil das System nun mal so funktioniere etc.), dazu ausnutzen, ihre Preise im Durchschnitt unbemerkt heraufzusetzen. Am ehesten scheint eine Mischtaktik zur Anwendung zu kommen: ein paar Artikel werden in Sonderangebote gesetzt und die sind dann auch tatsächlich preisgünstig. Damit kann man Reklame machen und das zieht Kundschaft an. Gleichzeitig werden Preise für andere Artikel heraufgesetzt. Der Discounter spekuliert sicherlich nicht zu Unrecht darauf, daß der Kunde sich nicht nur mit den Sonderangeboten eindeckt, sondern gleich auch noch „rundrum“ alles mögliche andere einkauft – „wenn man halt schon mal da ist“. Wer wird schon zu weiteren Anbietern fahren, um gezielt wiederum deren Sonderangebote wahrzunehmen? Solche Umstände nimmt doch praktisch keiner auf sich. So kann ein „Discounter“ z. B. Butter billig anbieten und den Preis für Geschirrspülmittel dafür heraufsetzen – schöner „Discount“. Unterm Strich dürfte das die Sonderangebote finanzieren oder sogar einen allgemeinen Preisanstieg bedeuten – bemerken wird das sicherlich niemand. Ich erinnere mich schließlich nicht, wie viel ich beim letzten Kauf beim „Discounter“ für Geschirrspülmittel bezahlt habe! Dabei könnte das beim kleineren Anbieter zumindest zeitweise denselben oder sogar einen günstigeren Preis haben.

Es kam auch der Einwand bezogen auf Musikgeschäfte. Nun, auch davon existieren noch einige „Locals“. Kleines Beispiel: ich wollte ein Metronom (Boss DB 60) kaufen. Habe den Preis beim Monopolisten nachgeschaut und dann den Andreas Köhler vom Musicant hier in FT gefragt, was das Ding denn bei ihm kosten würde. Ich hätte auf jeden Fall ein paar Euro mehr gezahlt – aber zu meiner Überraschung war es bei ihm drei Euro billiger – zum regulären Preis, ohne irgendwelche Rabatte!

Ich kaufe meine Bücher seit jeher auch (!) bei „Bücher-Bender“ in MA (oder sollte ich hier etwa keine Schleichwerbung machen – ??) – der schickt sie mir auch zu, wenn ich möchte und die Bücher sind auch nicht teurer.

Also – man kann sein „Kauf-Verhalten“ ja auch irgendwie mischen, was weiß ich. Man muß ja nicht gleich sein Kundenkonto kündigen – allerdings wollte ich persönlich das Zeichen doch schon mal setzen. Insgesamt glaube ich, daß man als Konsument eine gewisse Macht hat – obwohl mit allen möglichen Mitteln versucht wird, eben die dem Verbraucher aus der Hand zu nehmen. Deshalb ist es nicht egal, wen man mit seinem Kauf unterstützt.
Natürlich kann man nicht die Einzelheiten von Arbeitsbedingungen beim Hersteller zu jedem Produkt kennen, das man kauft. Aber man kann sich informieren – so demokratisch ist das www schon noch (und gewisse Zeitungen etc.; mitunter, wie man sieht, auch noch die öffentlich-rechtlichen Sender).
Zur Demokratie gehört eben auch ein bißchen Unbequemlichkeit – bitte das vielfältig zu interpretieren!

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